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Vicious Art
April 2008



Robert Lunidn ist in der Metal-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Der Ex-Dark Funeral-Drummer hat eine neue Kapelle namens Vicious Art, mit der er kürzlich das zweite Album der Band veröffentlichte. Mit unserem Redakteur Dominic Türk sprach er nun über das kranke Kind, Krieg und lyrische Gewalt.


Vicious Art Danke, dass du dir die Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. Bevor wir aber dazu kommen, möchte ich dich bitten, dass du die Band einmal vorstellst. Ihr seid bzw. wart Teile von anderen, etablierten schwedischen Bands und noch nicht so bekannt unter dem Namen Vicious Art.
Vicious Art wurde 2002 oder 2003 (meine Erinnerungen sind nur noch schwach, haha) gegründet, nachdem Matti und ich Dark Funeral verlassen haben. Ich wusste, dass Matti ein paar musikalische Ideen herumfliegen hatte, sodass ich erfreut war als er mich anrief und mich fragte, ob wir uns in einer anderen Konstellation wiedervereinen sollten. Ich mochte vor Allem seine neue musikalische Ausrichtung. Wir beschlossen, dass wir unseren alten Freund Jocke als Sänger haben wollten. Da gibt es einen legendären Anruf, als ich ihn während eines Urlaubs in Griechenland erreichte und ihm erzählte, dass wir ihn gerne an Bord haben wollen, aber das Material, was bis zu diesem Zeitpunkt geschrieben war, verloren ging und Tobbe, Matti und ich entschlossen, dass wir noch brutalere Songs für Vicious Art schreiben wollen. Jocke antwortete nur: „OK, cool, klingt gut.“ Und das war's.
In einem Pub in Jakobsberg, einem Vorort von Stockholm, entschieden wir uns dann für den Namen Vicious Art. Die Creme auf dem Kuchen, oder wie auch immer man dazu sagt, war, als wir Jörgen dazu überredeten Bass bei uns zu spielen. Da wussten wir, dass Vicious Art eine große Macht werden wird!

„Pick Up This Sick Child“ ist euer zweites Album als Band. Wie fühlst du dich dieses fertig zu haben?
Es fühlt sich großartig an, denn es ist ein großartiges Album. Kaum schwache Momente auf dem Album! Ich würde sagen, es ist das beste Album, das wir aufgenommen haben. Wir haben so harmonisch zusammengearbeitet was die Arrangements und die Vocals angeht und ich glaube, dass Jocke und ich textlich den Dreh raus haben.
Wenn ich über meine Musik rede, versuche ich alles etwas auszubalancieren. Ich versuche ehrlich zu sein mit den schlechten Teilen, aber in diesem Falle müsste ich lügen, wenn ich dir etwas Negatives über die Platte erzählen würde.

War es leicht, dieses Album zu kreieren oder hat es lange gedauert?
Es war einfacher, als wir den Deal mit Mighty Music in der Tasche hatten. Unter Druck arbeiten wir am besten und setzen uns absichtlich so enge Deadlines für die Aufnahmen. Sowohl was das Songwriting betrifft, als auch die Zeit im Studio. Insgesamt war es relativ einfach und brauchte gar nicht so lange.

Wie viel Einfluss hatten eure alten Bands auf das Album?
Das kann ich nicht wirklich sagen. Die Einflüsse der Vergangenheit werden sich immer auf die eine oder andere Art und Weise zeigen, aber wir hatten niemals die Absicht Elemente unserer alten Bands auf Vicious Art zu übertragen.
Unsere individuelle Art zu spielen ist es und du kannst es raushören, wenn du willst, aber in meinen Augen klingt Vicious Art keineswegs nach Grave, Entombed, Dark Funeral, Dominion Caligula oder Guidance of Sin. Nicht ein Mal ein Mix dieser Bands. Wir stehen auf unseren eigenen Füßen!

„Pick Up This Sick Child“ könnte ein guter Slogan für die TV-Serie „Teenager außer Kontrolle“ sein, wo Teenager durch eine Art Boot Camp müssen, sein.
Hat der Titel eine Bedeutung? Wenn ja, für was steh er?

Der Titel hat viele Facetten, denn er kann viel bedeuten. Unser Bauchgefühl hat uns gesagt, dass dieser ein guter Titel sei, als er aufkam. Wir haben das Bild eines kranken und verrückten Kindes für unser aktuelles Promobild verwendet, aber es kann auch wie im kompletten Album heißen, dass man dieses kranke Kind auffangen soll. Daneben ist es einfach ein guter Titel, so wie ich das sehe.

Vicious Art Die Texte auf dem Album sind relativ lang und aufwendig, was für viele Death Metal-Bands nicht normal ist. Habt ihr euch direkt zu Beginn zu diesem Schritt entschieden?
Definitiv. Jocke und ich – die Schreiberlinge – entschieden uns früh, dass die Texte alles sein sollten, was wir schon immer schreiben wollten und nicht etwas, das durch Vorfaktoren beeinflusst erdacht werden muss. Grob gesagt ist es Material, was nicht leicht zu verdauen ist, dich zum Nachdenken und Interpretieren anregt und möglicherweise (hoffentlich) Gefühle verbreitet wenn du es liest oder hörst.
Wir bezeichnen es als Poesie, wie widerlich oder penetrierend dies klingen mag. Nicht nur weil wir auf einem originelleren Pfad, entfernt von „normalen“ Death Metal-Lyircs wandern wollen, sondern mehr, weil es das ist wofür wir stehen, selbst wenn es manchmal hart ist die eigene Quintessenz rauszufiltern, haha.
Zusammenfassend kann man sagen: Denk wie David Lynch und du kommst in etwa da hin, wo wir sind.

Es gibt einen Song über Münchhausen auf dem Album. Welche Thematik steckt hinter „Dancing Münchhausen“? Ist er übers Lügen, wie es Münchhausen tat?
Nein, es geht darum, deinen Kinder Krankheiten zu verpassen nur damit Leute Mitleid mit dir haben und du Aufmerksamkeit bekommst.

Wie würdest du das Album beschreiben? Von der musikalischen und textlichen Seite.
Hardcore Death Metal mit Funken aus Thrash und Black Metal. Auf die Texte sind wir ja oben bereits eingegangen.
Insgesamt haben wir versucht kompromisslose, harte Musik zu schaffen, die dir einige Energie rauben wird oder dir Energie geben wird, wenn du solch eine Person bist.

Was können die Leute erwarten, wenn ihr auf Tour geht?
Wenn du zu einer Vicious Art-Show kommst solltest du erwarten, uns zu sehen, wie wir unser letztes geben, um unsere Musik so zu virtualisieren, wie du sie wahrnehmen sollst, und dass unsere Musik live besser ist.

Gibt es bereits Pläne für eine Europatour?
Nein.

Können wir euch denn mal in Deutschland erleben?
Ich hätte gerne, dass dies geschieht. Wir sollten wirklich in Deutschland touren. Ich habe nichts als gute Erinnerungen an meine Touren durch Deutschland zusammen mit Dark Funeral.

Wo siehst du Vicious Art in fünf Jahren?
Wir haben noch zwei Alben veröffentlicht, bevor wir unser fünftes und letztes Album aufnehmen und den Vicious Art-Kreis zu schließen.

Und nun eine Frage die nahzu jeder bislang beantworten musste: Wie stehst du zu der Thematik Internet (WebZines, Filesharing, Web 2.0, ...)
WebZines sind großartig. Ich lese viele von ihnen, aber auch die „old school“ Magazine. Filesharing hat zwei Seiten. Ich arbeite um leben zu können. Kurzum: Filesharing ist ein gutes Medium, um schnell an Musik zu kommen, die du magst. Du musst allerdings gewährleisten dass die Rechteinhaber, also die Songschreiber, richtig dafür entlohnt werden. Die Leute müssen erkennen, dass die Qualität der Musik darunter leidet, wenn der Komponist nicht so bezahlt wird, wie er es verdient. Ich bin auch im Bilde, dass einige Leute damit argumentieren, dass sie genug Geld mit Auftritten, Airplay, usw. machen und es gibt immer noch ein paar Leute, die die Platten kaufen. Viele Leute schießen über das Ziel hinaus. Nimm es so, wie es ist. Heute ist es so wie damals, bloß mit neuen Medien. Geht sicher, dass die Leute, die die Medien vertreiben auch etwas vom Kuchen abbekommen. Das ist aber einfacher gesagt, als getan.

Vicious Art Zum Schluss noch ein kleines Brainstorming. Schreib also mal deine ersten Gedanken zu den folgenden Punkten auf.
Krieg: Interessiert mich sehr. Ich lese viel über das Thema, vor allem (wie es irgendwie jeder macht) über den Zweiten Weltkrieg. Ich interessiere mich nicht für die Ideologie der Nazis oder der alten Kommunisten, den Kalten Krieg, etc, aber für die militärischen Strategien. Ich interessiere mich für die Hauptakteure des Krieges und wie sie dachten, was hinter den Ideen steckt und wie die Leute den Diktatoren und Führer folgten und wie sie bekämpft wurden.
Ich muss auch sagen, dass mich Kriege auch stören, aber es ist nun mal ein großer Teil der Realität und du musst ihm gegenüberstehen, allerdings auch ein paar Gedanken reinstecken.
Eins muss ich dazu noch sagen: Ich bin einer der glücklichen Wenigen in der Welt, die nicht in den Genuss kamen Wehrdienst zu leisten, zumindest von denen, die aus Schweden kommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich so interessiert bin. Das wirkt so abstrakt auf mich.
Olympische Sommerspiele: Moskau 80, LA 84
Festivals: Bin auf wenigen gewesen. Habe einige gespielt. Ich bin so lange glücklich, wie ich nicht in einem Zelt im Schlamm schlafen muss. Ich fand das noch nie lustig. Ich mag allerdings die Tatsache, dass viele dies tun.
Bier, Wodka oder Wein: Ein Mix aus allen, aber wenn ich eins wählen müssten, dann wäre es Bier.
Chili oder Knoblauch: Knoblauch.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören dir.
Ich hoffe, dass wir bald nach Deutschland kommen und euch gute Metal-Leute alle treffen können. Dann mache ich es so wie immer, wenn ich in Deutschland bin: Ich versuche Deutsch zu sprechen. Ich habe die Sprache sieben Jahre lang in der Schule gelernt, deshalb finde ich es amüsant sie in der Praxis auszuprobieren (so machen es die Deutschen auch). Es hätte mich wohl sehr viel Zeit gekostet, dieses Interview auf Deutsch zu beantworten, aber es hätte mich sicherlich zum Lachen gebracht.
Viel Glück bei der Europameisterschaft im Fußball. Hoffentlich treffen wir uns im Finale. Wir wollen Rache für die peinliche Niederlage bei der WM 2006.
Supported den Metal weiter! Cheers!


Interview: Dominic Türk
Fotos: Sureshotworx








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Publiziert am: 2008-04-07 (1925 mal gelesen)

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