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Thrudvangar




Thrudvangar sind zweifelsohne die Viking-Sensation des Jahres. Im Interview beantwortete Bassist Gunther die Fragen unseres Redakteurs Dominic Türk.
Viel Spaß!


Thrudvangar Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, ein paar Fragen zu beantworten. Zu Beginn solltest du die Band vielleicht erst einmal vorstellen, da viele Leute euch nicht kennen werden.
Thrudvangar wurde im Jahr 2000 gegründet und ist ein Viking-Metal-Projekt aus Cöthen (Anhalt). Bis jetzt wurden eine auf 100 Stück limitierte unbetitelte Mini-CD (2002), das Debüt-Album „Ahnenthron“ (2004) und endlich der Nachfolger „Walhall“ (2006) veröffentlicht. Das aktuelle Line-Up besteht aus Matze (vox.), Christian (git.), Kanne (git.), Andreas (keys), Gunther (bass) und Torsten (drums und b-vox).

Wie habt ihr euch vor ein paar Jahren eigentlich gefunden? Kanntet ihr euch länger oder war es reiner Zufall?
Christian, Torsten und Andreas sind die eigentlichen “Gründungsväter” von Thrudvangar und kannten sich schon davor sehr gut. Der Rest der derzeitigen Besetzung wurde auch aus dem Bekannten- und Freundeskreis rekrutiert. So wussten alle Mitglieder schon vor ihrem Einstieg mit wem und was sie es bei Thrudvangar zu tun kriegen. Lästige Auswahlverfahren und böse Überraschungen nach dem Bandeintritt konnten somit vermieden werden.

Wer hat dich damals inspiriert Musik zu machen?
Puh, wer dafür verantwortlich war, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich als Fünfjähriger vor einem Bild einer Bigband stand, mir das Schlagzeug gefiel und dachte ‘Das isses!’. Entweder war ein Schlagzeug damals für mich zu groß, zu laut oder an sich zu teuer, bekam stattdessen dafür aber eine feine Blockflöte. Mein Einstieg in die Musik. Musikalisch auf Metal gekommen bin ich dann ganz schulhofmäßig und klassenfahrttauglich mit Metallica, Sepultura, Cannibal Corpse, Suffocation, Death, etc.

Euer erstes Album trägt den Titel „Ahnenthron“ und ist sowohl bei Presse, als auch beim Publikum super angekommen. Habt ihr mit solchen Reaktionen gerechnet?
Vielleicht gehofft, aber dass es so positiv aufgenommen wurde und dass von der Veröffentlichung so großflächig Notiz genommen wurde, sicherlich nicht. Immerhin kommen wir aus einer Kleinstadt, die Metalszene an sich ist bandmäßig stark besetzt, für uns wäre es schon ein voller Erfolg gewesen, wenn es nur ein Bruchteil des Feedbacks gegeben hätte.

Thrudvangar Ihr habt nach dem Release auf vielen namenhaften Festivals der Szene (u.a. Pagan Nights, Ultima Ratio) gespielt. Wie war das Gefühl plötzlich dort oben zu stehen und abgefeiert zu werden?
Das ist natürlich einmalig! Genau das, weswegen wir im Proberaum nicht nur Bier trinken, sondern tatsächlich Stücke schreiben. Riesige PA, eine Lichtanlage, die nicht nur aus vier Spots besteht und allen voran die brodelnde Masse, die vor einem steht, einfach zu unserer Musik abgeht und für die Stimmung sorgt, was einem dort oben dann besonders entgegen schlägt. Allerdings ist man bei solch großen und wichtigen Gigs auch um ein Vielfaches aufgeregter, als wenn in kleineren Clubs gespielt wird. Zusätzlich kommt bei großen Festivals noch dazu, dass man selbst bei Bands abgehen kann, die man sonst nicht alle Tage sieht – also doppelter Spassfaktor.

Euer Zweitwerk trägt den Namen „Walhall“. Wie waren die Reaktionen auf das Album? Das, was ich gelesen habe, war durchweg positiv.
Klar, im großen und ganzen hat sich ja vom Stil her auch nichts geändert. Durchweg positiv ist zwar ein wenig übertrieben, bekam aber doch weniger Kritik als die “Ahnenthron”. Das liegt wohl auch daran, dass die “Walhall” weit öfter und auch von szenenäheren Mags rezensiert wurde.

Wie schwer war es für euch, vor dem Hintergrund, dass das erste Werk so stark war, das Album zu produzieren?
Ehrlich gesagt, fühlten wir uns überhaupt keinen Druck ausgesetzt. Wir haben nahezu einmal in der Woche Probe, unser eigenes Studio und somit genug Zeit Songs zu kreieren und diese entsprechend aufzunehmen. Wir hatten, obwohl der Erfolg der “Ahenthron so unerwartet war, keine Angst davor, dass die “Walhall” nicht dort ansetzen könnte, wo die “Ahnenthron” aufgehört hat. A) hat sich wie oben schon gesagt, von der Song-Konzeption nichts geändert, B) fühlen wir uns mit der jetzigen Besetzung musikalisch stärkter (also besser) als noch beim “Ahnenthron”-Line-Up.

Gab es ein Unterschied, wie ihr an das Schreiben der Songs herangegangen seid?
Nee, die Kompositionen erfolgen immer noch sehr intuitiv, also eher aus den Bauch heraus, während der Probe. Ein Stück entsteht Part für Part nach dem Trial-and-Error Prinzip. Wie ich finde bleibt dabei mehr Spontanität und Frische erhalten, als wenn alles bis auf die letzte Sechszehntel ausgetüftelt wird. Unser Anspruch ist nicht, dass wir musiktheoretisch alle Möglichkeiten ausschöpfen, sondern dass wir musikalisch-energetisch nach vorne abgehen.

Thrudvangar Der Titel ist ein zentraler Begriff in der germanischen Mythologie. Wie sehr seit ihr mit dieser verwurzelt?
Schon allein dadurch, dass wir in Zentraleuropa leben, wurde bei uns spätens in der Schule ein geografisches und geschichtliches Interesse für die Region geweckt. Die Mythologie faszinierte uns schon als Kinder, zwar noch nicht in einer so ausgeprägten Form wie heute, allerdings schon so, dass Sagen gelesen wurden. Entscheidet man sich als Band für Musik mit textlichen Inhalten, sollte man sich schon bewußt sein, was dabei vermittelt werden soll. Für uns war Dreh- und Angelpunkt dafür die nordische Mythologie, da sie bereits jeden von uns interessierte. Es geht nicht nur darum heroisch rüberzukommen, sondern Schicksale einzelner Prodagonisten aus bspw. der Edda, bei denen man eigene Berührungspunkte entdeckt, ganz individuell zu interpretieren. Also nicht nur Erzähltes einfach nochmal zu erzählen, sondern mit eigenem Leben zu füllen. Dies ist dann bei uns die Aufgabe des Sängers als Songwriter und Interpret.

Das Hauptaugenmerk eurer Musik liegt klar auf epischen Elementen. Wie würdest du euren Sound beschreiben?
Ganz allgemein ist die Bezeichnung Viking Metal sicherlich ausreichend genug, um zu pauschalisieren oder unsere Musik ein- und abzugrenzen. Genauer betrachtet machen die Saiteninstrumente und die Drums den Sound ordentlich metallisch. Als absoluter Growl-Feti bin ich dankbar bei einer Band aktiv zu sein, die stimmlich eher zum Grunzen tendiert. Die Keys erzeugen durch Spannungsbögen oder Melodien genau die Stimmung, die der Song vermitteln soll. Dabei löst sich der Keyboard-Sound von den verzerrten Wänden der Gitarren und steht zudem noch im krassen Gegensatz zu den tiefen rauen Vocals. So wird Lebendigkeit erzeugt.

Ein weiteres Augenmerk ist auf´s Keyboard gerichtet. Gab es in dieser Hinsicht etwas Kritik, da es Leute gibt, die Keyboardsounds, die viele Melodiepassagen übernehmen und prägen, verachten?
Hörer, die Keyboards nicht mögen, werden immer “kritisieren” das Keys mit dabei sind. Ob man dies dann als Kritik bezeichnen kann, ist zu bezweifeln. Ich bspw. vertrage kein Reggae, werde aber nicht einen solchen Gitarristen dahingehend “kritisieren”, indem ich verlange, dass er mal Achtel durchspielen soll und seinen Distortion auf 5 Uhr drehen muss. Kritik kann ich also nur üben, wenn mir an den zu kritisierenden Sachen auch persönlich was liegt. Da wir immer wieder betonen, dass unsere Musik tastenlastig ist, sogar ein wesentliches Merkmal darstellt, könnten wir den Keyboardsound nur sehr gering bis gar nicht reduzieren.

Thrudvangar Wenn man in letzter Zeit die Medien verfolgt hat, ist im Bereich Metal immer das Thema „Black/Pagan/Viking Metal und braune Masse“ aufgetaucht. Wie siehst du das ganze? Wird alles von den Medien falsch dargestellt?
Nicht nur im Black/Pagan/Viking Metal gibt es solche Erscheinung, jedes musikalisches Genre hat seinen kleinen Nazi. Sicherlich bezieht sich Pagan-,Viking-Metal auf die nordische Mythologie, welche schon vor knapp 80 Jahren für propgandistische Zwecke bemüht wurde. Damals allerdings wurde sie bekanntermaßen mißbraucht; während wir sie wohl eher gebrauchen. Wir selbst verfolgen mit unserer Musik keine politischen Absichten, unsere Texte wurden von den Hörern nicht fehlinterpretiert, auch wurden wir bei unseren Gigs noch nicht falsch gegrüßt. Von einer Band die keine politische Attitüde hat, soll man auch erwarten, dass sie sich von der Politik (und somit auch dem rechten Rand) distanziert, was wir stets tun und auch hiermit nochmal klarstellen.
Meiner Meinung nach herrscht in den Medien z.Z. etwas Stimmungsmache gegen die Szene, zum großen Teil durch schlechte oder gar keine Recherche. Festmachen möchte dies daran, dass ein gewisser Teil, der mit Wikingern zu tun hat, medienmäßig toleriert oder gar gefördert wird und zwar genau der Teil, der auf kindliche Bedürfnisse ausgerichete ist (Lego, Playmobil, Zeichentrick, etc.). Sobald man aber ab einen gewissen Alter das Spielzeug in der Ecke wift, sich statt dessen eine Gitarre und einen Thorhammer umhängt, gilt man fast schon als verfassungsrechtlich bedenklich. Wohlgemerkt, die Inhalte sind dabei immernoch die selben geblieben (ohne Politik). Also eine gewisse Überreaktion sehe ich da schon. Anderseits finde ich aber auch wie oben erwähnt, dass eine Band, welche politisch nicht provizieren(!) will, sich auch klar von der braunen Klärgrube distanziert.

Wird es eine Tour zum Album geben?
Die grobe Planung für eine Tour steht. Diese wird aller Voraussicht nach vom 02.02.-10.02.2007 stattfinden. Mit dabei die russischen Kollegen von “Nomans Land”. Das wird laut. Das wird feucht. Wir freuen uns drauf!

Was macht ihr eigentlich, wenn ihr nicht gerade musiziert?
Damit Geld reinkommt, immer noch arbeiten. Realistisch gesehen wird sich daran auch nichts ändern. Damit Spaß auch außerhalb des Proberaums aufkommt, viel trinken und das eine.

Wo siehst du die Band in der nächsten Dekade?
Hoffentlich immer noch in der selben Besetzung und an den Arbeit an einem Best-Of-Album.

Dann bedanke ich mich und überlasse dir die letzten Worte.
Danke an des Metalearth-Team für das Interview, Danke an die Leserschaft und den Fans für den starken Support. Und nicht vergessen: in der ersten Februarwoche einen Tag Urlaub nehmen.
Skol,
Gunther / Thrudvangar


Interview: Dominic Türk
Fotos: Archetype Promotion








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Publiziert am: 2006-10-12 (2407 mal gelesen)

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